Markterholung

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Seit dem Frühjahr 2009 haben die Aktienmärkte eine Vielzahl von überschaubaren Abwärtsbewegungen kommen und gehen gesehen. Der langfristige Aufwärtstrend im Anschluss an die globale Finanzkrise 2008 ist intakt geblieben. Auch der amtierende US-Präsident hat es nicht vollbracht, daran etwas zu ändern. Nach den Zollkapriolen des vergangenen Jahres hat er mit dem Irankrieg im März 2026 allerdings seine eigene zweite Scharte im Chartbild der Märkte hinterlassen. Im 2. Quartal 2026 konnten sich die Aktienindizes von ihren Irankrieg-Rückschlägen erholen. Gold und Bitcoin haben dies nicht geschafft.

Erklärung von Abwärtsbewegungen

Sobald die Kurse an den Börsen über das Maß ihrer alltäglichen Schwankungen hinaus Schwäche zeigen, werden Erklärungen nachgereicht. Noch bis zum 27. Februar 2026, einem Freitag, haben die Aktienmärkte die Aufstockung der US-Kriegsbefähigung im Nahen Osten für ein nicht wirklich ernsthaft gemeintes Säbelrasseln gehalten. Mit dem Angriff auf den Iran am Wochenende änderte sich das Szenario. Am Montag reagierten die Aktienmärkte mit fallenden Kursen.

Das Tief der Kurse und die Trendwende an den europäischen Aktienmärkten folgten bereits drei Wochen später. Die 200-Tage-Linie hatte am Freitag (20.03.2026) gehalten, wurde am Montag im Tagesverlauf unterboten, aber als nach dem Abfangen aller Stopp-Limits im Markt kein weiterer Verkaufsdruck aufkam, drehte der STOXX Europe 600 in seinem charttechnischen Unterstützungsbereich von 560 Indexpunkten.

Das Ergebnis entsprach der Markttechnik an den meisten bedeutenden Aktienmärkten und war eindeutig: Die kurz- und mittelfristigen Aufwärtstrends wurden zwar gebrochen, der entscheidende langfristige Trendverlauf steigender Kurse ist aber intakt geblieben.

Drei Argumente wurden im Verlauf der Diskussionen über die Auswirkungen des Krieges auf die Aktienmärkte in dieser Marktphase immer wieder genannt:

  • Kriege im Nahen Osten haben in der Vergangenheit die Weltkonjunktur nicht auf Dauer belastet.
  • Das Ausmaß des Preisanstiegs und die Auswirkungen steigender Ölpreise werden regelmäßig überschätzt.
  • Der aktuell amtierende US-Präsident hat bisher immer noch seine Drohgebärden zurückgezogen, sobald die Börsen in unruhiges Fahrwasser gerieten (TACO, Trump always chickens out).

Reaktionen auf Abwärtsbewegungen

Erklärungen und Mutmaßungen sind immer zu finden. Auch die richtigen Argumente werden immer genannt – allerdings neben all den anderen Erklärungsversuchen, die sich im Rückblick als nicht zutreffend herausstellen werden.

Für diejenigen, deren erklärtes Ziel es ist, die Risiken der Kapitalmärkte in den Abwärtsbewegungen zuverlässig zu senken, ist es daher im Moment des Geschehens unumgänglich, nicht zu versuchen, die Argumente zu interpretieren, sondern dem Markt auf dem Weg seiner Entscheidungsfindung zu folgen. Wir haben im März z. B. über unser Cross-Atlantik-Modell die Aktienquote zunächst um ca. 25 % gesenkt. Innerhalb der folgenden Wochen haben wir die Kurssicherungen wieder in zwei Schritten aufheben können.

Trotz aller Wirrnisse der Kriegskommunikation sind die Aktienmärkte anschließend nicht wieder unter Druck geraten. Einige Indizes haben es geschafft, ihre Hochs aus der Zeit vor dem Irankrieg zu überbieten. Der marktbreite STOXX Europe 600 gehört bisher nicht dazu.

„Die kurz- und mittelfristigen Aufwärtstrends der Aktienmärkte wurden im ersten Halbjahr 2026 zwar in den ersten Wochen des Irankriegs gebrochen, der entscheidende langfristige Trendverlauf steigender Kurse ist aber intakt geblieben.“
– Martin Weinrauter

Marktdynamik

Der STOXX Europe 600 hat sich im Bereich seiner alten Hochs aus dem Februar festgefahren. Der grundsätzlich vergleichbare US-Index S&P 500 zeichnet ein ganz anderes Chartbild. Er hat sein Allzeithoch aus dem Februar 2026 längst überboten. Der Grund für die unterschiedlichen Kursverläufe liegt in der jeweiligen Zusammensetzung der Indizes.

Je mehr Aktien aus der zweiten Welle der KI-Story im jeweiligen Index zu finden sind, umso höher war die Performance im zweiten Quartal 2026 – allen anderen voran im US-Index Nasdaq-100 und im koreanischen KOSPI Index, dessen Wertentwicklung von SK Hynix und Samsung dominiert wird.

Der Markt für hochwertige Speicherchips wird von einem Oligopol aus den beiden koreanischen Firmen und dem US-Anbieter Micron beherrscht, wobei Speicherchips bisher als ausgesprochen zyklisches Geschäft galten. Zeiträumen mit hohen Gewinnen folgten immer wieder Verlustphasen. Doch in diesem Zyklus ist alles anders.

Das Volumen der Käufe von Speicherchips durch die großen Betreiber von Rechenzentren (Hyperscaler) sprengt alle Erfahrungswerte, denn die Nachfrage nach Rechnerleistung für den KI-Einsatz explodiert und die Unternehmen haben mit all den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln einen Investitionsboom sondergleichen ausgelöst. Daher ist nicht nur die Produktion der Hersteller bereits jetzt auf Jahre hinaus verkauft, sie können auch nahezu jeden Preis für Speicherchips aufrufen.

Die Käufer zählen mit Amazon, Microsoft und Alphabet (Google) zu den Unternehmen mit der weltweit höchsten Marktkapitalisierung. In den vergangenen Jahren haben sie die Performance der Märkte angeführt. Wer sie nicht im Portfolio hatte, fiel im Performancevergleich unweigerlich zurück. Diese Zeiten sind vorbei. Zu hoch sind die Kosten und damit die Abschreibungen in den kommenden Jahren. Zu groß sind die Zweifel, ob sich diese Investitionen durch künftige Einnahmen amortisieren werden.

Die Wertentwicklung an den Börsen ist im ersten Halbjahr 2026 dem Geld gefolgt, welches die Hyperscaler an die Hersteller von Speicherchips zahlen.

Wertentwicklung der Börsen im ersten Quartal 2026 im Vergleich zum zweiten Quartal 2026:

Q1/26 Q2/26
S&P 500 (in USD) ./. 7,14 % + 14,05 %
DAX Performance Index ./. 9,12 % + 10,78 %
STOXX Europe 600 ./. 4,40 % + 10,50 %
USD / EUR + 2,02 % + 1,42 %
Bitcoin (in Euro) ./. 22,26 % ./. 11,58 %
Gold (in USD) + 5,17 % ./. 16,52 %

Performancewirksam wurde diese Marktentwicklung in zwei G&W-Strategien. Micron wurde von unserer Nasdaq-Momentum-Strategie nahezu zeitgleich mit anderen US-Aktien des Sektors gekauft und hat die in diesem Jahr außergewöhnliche Performance unserer US-Aktien-Strategie beflügelt.

SK Hynix und Samsung haben einen wesentlichen Beitrag zur Performance der Emerging Markets geleistet. Die G&W-Satellite-Strategie IVY hat das entsprechende Kaufsignal bereits im Sommer 2025 umsetzen können.

iShares Core MSCI Emerging Markets IMI UCITS ETF | in Euro

Daten: TAI-PAN Datenfeeds, Lenz + Partner

Überraschend schwach

Gold und Bitcoin waren die auffälligsten Underperformer im zweiten Quartal 2026. Auf dem Höhepunkt des Irankriegs hatte Gold geglänzt. Als alle anderen wesentlichen Anlageklassen in dieser Momentaufnahme zum Abschluss des ersten Quartals negative Ergebnisse seit Jahresanfang vorweisen mussten, lag Gold noch im Gewinn, wobei die Betonung auf „noch“ lag, denn die Kursspitze des gelben Edelmetalls wurde nach einem länger als zwei Jahre andauernden Aufwärtstrend bereits im Januar erreicht und zu diesem Zeitpunkt lag der Goldpreis deutlich höher als am Ende des ersten Quartals. Von 5.593,30 USD am 29.01.2026 fiel Gold in drei Handelstagen bis auf einen Preis von 4.406,00 USD. Seit dieser Schockwelle sind Gold und Silber in langfristigen Abwärtstrends gefangen, so dass Gold nach zwei großartigen Performancejahren aktuell in der G&W-Satellite-Strategy IVY keine Zukunft haben kann.

Stärkere Rückschläge mussten nur Kryptowährungen hinnehmen. Bitcoin hat sein Hoch am 6.10.2025 bei 126.289,80 USD erreicht und diesen Preis bis zum Februar 2026 halbiert. Aktuell kämpft die bedeutendste Kryptowährung um die Unterstützungszone von 60.000 USD.

Zusammenfassung

Gold und Bitcoin sind bei uns in der Vermögensverwaltung Nebenschauplätze. Sie kommen bei Kundeninteresse in unseren Anlagestrategien zum Einsatz. In Portfolios, die über Risikomanagementsysteme gesteuert werden, können sie aufgrund ihrer Abwärtstrends aktuell nicht gekauft werden.

Die drei klassischen G&W-Risikomanagementstrategien (offensiv/ausgewogen/defensiv) stehen auf Allzeithochs. Das ist immer gut.

Unsere US-Strategie war sogar besser als gut, denn sie hat ein herausragendes Halbjahr beisteuern können. Ihr Performancemotor ist ein Nasdaq-Momentum-Modul. Es befindet sich aktuell in der zweitstärksten Aufwärtsphase eines Datenzeitraums von 35 Jahren und profitiert vom Aufwärtstrend der Halbleiterhersteller. Micron z. B. hat seit dem Kauf bis zum 30.06.2026 eine Wertentwicklung von +623 % erzielt.

Die Disziplin, die uns aktuell abgefordert wird, betrifft das Aushalten des Kursanstiegs, wobei über die systematische monatliche Reallokation der drei US-Marktsegmente bereits erhebliche antizyklische Gewinnmitnahmen erfolgt sind.