Was bewegt die Märkte?

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Die Momentaufnahme am Jahresende 2025 zeigt Aktienindizes mit intakten langfristigen Aufwärtstrends. Die Märkte wurden im vergangenen Jahr unterstützt durch fallende Energiepreise, Zinssenkungen und ausufernde Investitionen in IT-Rechenzentren. Von der Schockwelle, die von den US-Zöllen ausgelöst wurde, sind lediglich eine vage Erinnerung, ein schwacher US-Dollar und die tiefe Kerbe in den Aktiencharts geblieben. Taugen diese Eckpunkte als Basis für einen Jahresausblick auf 2026? Bedingt, denn die Zukunft bleibt wie immer und glücklicherweise unberechenbar. Aber einige Orientierungspunkte, die man im Blick behalten sollte, lassen sich dennoch benennen.  

Das Maß aller Dinge

Investoren hatten in der Vergangenheit häufig einen Home Bias. Sie kauften Aktien, die sie kannten und im Jahr 2025 wären deutsche Investoren per Saldo durchaus gut damit gefahren, wenn sie im deutschen Aktienindex der großen Werte, dem DAX, investiert gewesen wären. Diese Aktien sind nicht etwa gut gelaufen, weil es der deutschen Wirtschaft gut gehen würde, sondern weil bis zu 80 % der Wirtschaftsleistung dieser Unternehmen weltweit erfolgt und sie sind auch deshalb gut gelaufen, weil in den ersten Monaten des Jahres viel Geld aus dem US-Dollarraum in den Euro flüchtete und dort die Aktienkurse nach oben trieb. Diesen einmal erzielten Vorteil hat der DAX festhalten können. Eine Rolle dabei wird auch das Potential der geschaffenen Sonderschulden gespielt haben.

Jüngere Anlegergenerationen haben sich vom Home Bias vergangener Jahrzehnte gelöst. Zum Maß ihrer Dinge ist der Weltaktienmarkt der Industrieländer geworden. Ihr Investitionsobjekt ist der MSCI World, ein Index, der kapitalmarktgewichtet aktuell mit 74 % in den USA, mit 14 % in Europa und 12 % in Japan, Kanada, Australien und dem Rest der als industriell entwickelt geltenden Länder allokiert ist.

Zwei Dinge sind dabei zu beachten:

  • Der Index wird n Wohl und Wehe der US-Wirtschaft und damit ebenso vom US-Dollar dominiert.
  • Das übermächtige US-Gewicht im Weltaktienindex der Industrieländer entstand zu einem großen Teil durch die außerordentlich beeindruckende Wertentwicklung der US-Giga-Techs.

Die Schlussfolgerung daraus lässt sich zweifelsfrei ziehen. Die aktuelle Dominanz der US-Werte und der US-Giga-Techs im kapitalmarktgewichteten Weltaktienindex der Industrieländer ist keine Willkür, sondern sie wurde durch Performance erarbeitet. Wer hier in der Vergangenheit nur wenig engagiert war, hat also viel Wertentwicklung verpasst.

 

 

Alternativen

Wenn aber die Schlussfolgerung eindeutig ist – warum sollte man dann überhaupt Alternativen in Erwägung ziehen?

  • Ein maßgeblicher Grund ist die Erfahrung: Trends dauern häufig länger als gedacht, aber letztendlich wachsen die Bäume nicht in den Himmel.
  • Als Anlass für eine Neubewertung können Daten angesehen werden, die auf eine Abschwächung des Momentums der Top 7 Tech-Aktien der USA hindeuten. Im Zeitraum der vergangenen zwei Jahre erreichten sie noch eine doppelt so hohe Performance wie der S&P 500 Index. Seit einem Jahr ist ihnen diese überdurchschnittliche Dynamik nahezu vollständig abhandengekommen.

Man sollte nie die Gewinner von gestern zu früh abschreiben, denn sie haben gezeigt, wozu sie fähig sind. Dennoch könnte der Verlust an Momentum ein erstes Anzeichen dafür sein, dass ihre beste Zeit vorbei ist.

Die KI-Story der US-Marktführer wird mit immer neuen Statistiken schon seit Jahren in Frage gestellt. Jeder Zweifel daran kam bisher zu früh. Doch jetzt hat sich etwas grundlegend geändert. Wäre man im vergangenen Jahr – und der Zeitraum von zwölf Monaten ist statistisch nicht mehr als irrelevantes Strohfeuer abzutun – andere Wege als die der „Magnificent Seven“ gegangen, hätte man damit erstmals eine Chance gehabt, nicht im geschlagenen Feld ins Ziel zu kommen. Der geradezu zwingende Sog, hier investiert sein zu müssen falls man nicht zurückbleiben will, hat seine Kraft verloren.

Der STOXX 600, der Index der 600 größten börsennotierten Unternehmen aus Europa, konnte erstmals seit langer Zeit wieder in lokaler Währung mit den großen 500 US-Werten des S&P 500 mithalten. Da man den Schwächeanfall des US-Dollar gegen den Euro im ersten Halbjahr 2025 berücksichtigen und in die Wertentwicklung einrechnen muss, wird das Ergebnis damit in Summe unumstößlich: Die europäischen Aktienmärkte haben im Jahr 2025 dem US-Markt den Rang abgelaufen, sowohl in der Breite, ganz besonders aber in der Peripheriein Ost- und in Südeuropa.

 

 

Mindestens ebenso beeindruckend war die Wertentwicklung der Emerging Markets. Nach Jahren der Unterperformance haben der schwache US-Dollar, das weltweit sinkende Zinsniveau und die Ausgangslage einer niedrigeren Bewertung ihren Aktienkursen starken Aufwind verliehen. Auch wenn Indien ein Jahr mit unterdurchschnittlicher Wertentwicklung zeigte und die Highflyer Korea oder Taiwan nach vielen Kennzahlen nicht mehr zu den Emerging Markets gezählt werden müssten und ihre Tech-Werte daher auch in diesem Index eine maßgebliche Rolle spielten, so ist das Gesamtbild mit z.B. dem Bergbausektor in Südafrika und den lateinamerikanischen Volkswirtschaften deutlich breiter angelegt.

Wertentwicklung 2025 in Euro:
+   3,92 %      S&P 500 TR
+   6,77 %      MSCI World NETR
+ 15,83 %     MSCI EM IMI NETR
+ 19,80 %        STOXX 600 PI

 

„Die europäischen Aktienmärkte haben im Jahr 2025 dem US-Markt den Rang abgelaufen.“
– Martin Weinrauter

 

Steuerung der Allokation

Wir wissen, dass wir nicht wissen, wie sich die Börsenkurse in der Zukunft entwickeln werden und setzen aus diesem Grund auf mathematische und trendfolgende Modelle, um an den Kapitalmärkten Chancen zu suchen und Risiken zu reduzieren.

Da derzeit alle maßgeblichen Märkte intakte Aufwärtstrends vorweisen können, sind nahezu alle G&W-Strategien am Jahresanfang 2026 vergleichsweise offensiv allokiert.

Wie immer kann sich das jederzeit ändern. Als Risiko wird z. B. im Markt ein sich erneut abschwächender US-Dollar gesehen, dem steigende Rohstoffpreise und erstmals seit Jahren auch wieder steigende Energiepreise folgen könnten. Als Konsequenz könnte Inflation in die USA importiert werden und steigende Zinsen nach sich ziehen.

Eine weitere Gefahr für die Märkte wird in einem möglichen Abbruch der boomenden Investitionen in KI und Rechenzentren gesehen. Die USA wären dann nicht mehr weit von einer Rezession entfernt.

Es könnte auch das Gegenteil eintreten und ein vergleichbares Rezessionspotential auslösen, falls KI die Effizienzgewinne so sehr steigern könnte, dass Arbeitsplätze und damit Einkommen und Konsumpotential in nennenswertem Umfang wegfallen.

So sehr es sinnvoll ist, derlei Risiken nicht abzutun, so entscheidend ist es, dass sich die Märkte nach wie vor in stabilen Aufwärtstrends bewegen.

Unser „Cross Atlantik Modell“ folgt den Daten und bildet daher mit hohen Investitionsquoten am Jahresanfang 2026 mit 60 % der Aktienquote einen Schwerpunkt in europäischen Aktien (MSCI World 14 %) und gewichtet die USA mit 40 % nur etwa halb so hoch wie im Weltaktienindex.

Unsere Satellite-Strategie „IVY“ ist nach wie vor in Gold, Emerging Markets, CO2-Zertifikaten und europäischen Aktien investiert.