Die Märkte sind mit dem Rückenwind intakter Aufwärtstrends in das Jahr 2026 gestartet. Die Trends wurden durch fallende Energiepreise, Zinssenkungen und ausufernde Investitionen in IT-Rechenzentren getragen. Mit dem Beginn des Irankriegs hat der Wind gedreht. Kurz- und mittelfristige Trends wurden gebrochen. Die entscheidenden Langfristtrends stehen jetzt zur Disposition. G&W hat die Aktienpositionen in den Strategien, die durch systematisches Risikomanagement gesteuert werden, seit Kriegsanfang um bis zu 25 % reduziert.
Wie weit geht ein Wetterumschwung?
Das ist die am intensivsten gestellte Frage an den Börsen. Eine belastbare Antwort auf die Frage gibt es allerdings nicht und so wird weiterhin vielfach vermutet, prognostiziert und dramatisiert. Am Sachverhalt ändert sich aber nichts und es bleibt dabei, weil es dabeibleiben muss:
Es ist nicht möglich, die Zukunft vorherzusagen, auch nicht an der Börse.
Im aktuellen Kontext halten sich die Marktteilnehmer bisher an folgenden Erfahrungen fest:
- Kriege im Nahen Osten haben in der Vergangenheit die Weltkonjunktur nicht auf Dauer belastet, denn die Auswirkungen steigender Ölpreise werden regelmäßig überschätzt.
- Der aktuell amtierende US-Präsident hat seine Meinung schon mehrfach sehr schnell geändert, sobald die Börsen in unruhiges Fahrwasser gerieten.
Werden beide Erfahrungen in einen Zusammenhang gebracht, könnte der Eindruck entstehen, dass diese Kombination die Wahrscheinlichkeit für eine letztendlich nur überschaubare Abwärtskorrektur an den Börsen erhöhen sollte. Es überrascht daher nicht, dass dies bisher der Konsens und damit die dominierende Erwartungshaltung der Marktteilnehmer ist.
Ein Problem für die weitere Entwicklung an den Börsen und die Befindlichkeiten der Börsenteilnehmer kann allerdings jederzeit aus den beiden Komponenten Strecke und Tempo der Kursveränderung und der dafür benötigten Zeit entstehen.
Wenn die Kurse entweder sehr schnell oder sehr lange tief fallen, üben die schwindenden Vermögenswerte einen immer stärker steigenden Anpassungsdruck auf die Zukunftserwartungen und die Handlungsreflexe der Marktteilnehmer aus. Beides wird möglich, wenn die Marktteilnehmer auf dem falschen Fuß erwischt werden.
Die Frage lautet also: Wie weit wird er gehen – der amtierende US-Präsident und mit ihm der Krieg und der Wetterumschwung an den Börsen?
Da die Antwort auf diese Frage jederzeit nur eine vorläufige Meinungsäußerung sein kann, ist es umso wichtiger, ob überhaupt und falls ja, wie auf das sich verändernde Meinungsumfeld reagiert wird.
Reaktion auf einen Wetterumschwung
Die Frage nach der eigenen Reaktion auf fallende Kurse ist die alles entscheidende Grundsatzfrage und die Antwort entscheidet damit über den langfristigen Erfolg von Kapitalanlagen.
Eine der zielführenden Möglichkeiten baut bereits in Zeiten ohne Stress eine belastbare Struktur der Kapitalanlagen auf. Diese Struktur ist von ihrer Grundkonzeption her so gewählt, dass die jeweiligen Investoren damit ohne weitere Entscheidungen auch durch die größten Abwärtskorrekturen an den Kapitalmärkten gehen können (sollten).
Wertentwicklung der Börsen im ersten Quartal:
+ 9,18 % Gold (in USD)
+ 1,52 % USD / EUR
./. 3,09 % STOXX Europe 600
./. 4,81 % S&P 500 (in USD)
./. 7,58 % DAX Perf. Index
./. 22,63 % Bitcoin (in Euro)
Die sinnvolle Alternative zu dieser weitgehend passiven Vorgehensweise reduziert in Zeiten fallender Kurse systematisch Aktienquoten und erhöht sie später konsequent in Zeiten mit erneut steigenden Kursen. Es ist die Anlagestrategie der Wahl für Investoren, die – vielleicht aus Erfahrung – davon ausgehen, dass ihre individuelle Widerstandskraft in den außerordentlichen Abwärtsbewegungen der Märkte dem Verkaufsreflex nicht standhalten kann.
„Die Frage nach der eigenen Reaktion auf fallende Kurse ist die alles entscheidende Grundsatzfrage und die Antwort entscheidet damit über den langfristigen Erfolg von Kapitalanlagen.“
– Martin Weinrauter
Als ultimativer Härtetest für solch einen Kursrückgang gilt der Börsencrash von 1929 mitsamt der anschließenden Weltwirtschaftskrise.
Die aktuellen Investorengenerationen können sich vielleicht noch an den ersten Börsencrash seit dem zweiten Weltkrieg im Herbst 1987 erinnern und ebenso an das Platzen der Internet-Blase am Anfang des neuen Jahrtausends oder bisher letztmalig an die Finanzkrise (2008) in Folge der US-Immobilienkrise (2007).
Es ist eine offensichtliche und damit sehr überzeugende Tatsache, dass die Börsen jede dieser Katastrophen letztendlich überstanden haben.
Das Problem liegt daher nicht beim Ereignis selber, sondern bei den Folgen einer nicht sinnvollen Reaktion auf das Ereignis.
Diese nicht sinnvolle Reaktion wird eine Abweichung vom eigentlichen Plan sein, durch alle schwierigen Börsenphasen unerschütterlich hindurchgehen zu wollen, nur um dann im Moment der emotionalen Belastung des Geschehens festzustellen, dass man es nicht kann und daher (zu spät) verkauft, weil man meint, es zu müssen, um damit den Rest des investierten Geldes zu retten. Dieses Handlungsmuster wird dann zudem in den meisten Fällen einen derart verbrannten Boden hinterlassen, dass an eine spätere Rückkehr an die Börsen in Zeiten mit steigenden Kursen nicht mehr zu denken sein wird.
Wetterlage
Der Rückblick auf das erste Quartal 2026 zeigt keine extreme Marktverfassung.
Die Märkte sind zunächst mit Aufwärtstrends an allen maßgeblichen Aktienbörsen in das erste Quartal des neuen Kalenderjahrs gestartet. Die größte Dynamik aufwärts hat bis Ende Februar der STOXX Europe 600 entwickelt, also der Index der 600 größten europäischen Unternehmen.
Aber auch ihm wurde mit Kriegsausbruch in der letzten Februarwoche von jetzt auf gleich der Teppich unter den Füßen weggezogen. Zwei Tage reichten, um den Kurzfristtrend zu brechen. Nach zwei Wochen war auch der Mittelfristtrend gebrochen und der Markt testete im Chart an seiner 200-Tage-Linie den Langfristtrend mit seinen steigenden Kursen.

Der Chart des STOXX Europe 600 zeigt am Quartalsende die Bewegungsrichtungen von zwei Trends. Auf der einen Seite steht der langfristige Aufwärtstrend. Er verläuft oberhalb seiner 200-Tage-Linie. Gegen diese Trendrichtung ausgerichtet verläuft der Kurzfristtrend mit seinen im März fallenden Kursen. Optisch wird dieser Trend durch die fallende 20-Tage-Linie begrenzt.
Der Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Kurzfristtrends das Marktgeschehen häufig präzise abbilden können. Die zeitliche Dauer dieser Bewegungen sind allerdings begrenzt. Die Dynamik dieser Bewegungen ist so stark, dass sie selten über längere Zeiträume durchgehalten werden können.
Die Reaktion der Märkte auf den Irankrieg im Zeitfenster der vergangenen vier Wochen ist damit zunächst eine verständliche Reaktion auf das in dieser Vehemenz nicht erwartete Kriegsereignis.
Die Verkäufe der ersten Tage waren Gewinnmitnahmen. Die Kurse waren zuvor so stark angestiegen, dass hier für kurzfristig ausgerichtete Marktteilnehmer nennenswertes Potential zu realisieren war.
Der anschließende Verkaufsdruck spiegelt die Zweifel und die Sorge der Verkäufer angesichts der Nachrichtenlage und der Erwartungen, dass aufgrund steigender Preise für Energie die Inflationsraten erneut ansteigen werden. Die Anleihenkurse folgen mit fallenden Kursen und steigenden Zinsen dieser Sorge bereits nachdrücklich.
Aktuell stehen alle Börsen vor der Frage, ob der Krieg wie eine vorbeiziehende Schlechtwetterfront angesehen werden kann, oder ob wider bisheriges Erwarten etwas geschieht, das weitergehende Folgen vor allen Dingen für steigende Energiepreise und damit für Inflationsraten und Zinsen hat.
Die Antwort darauf wird sich erst zu einem späteren Zeitpunkt im Rückblick geben lassen.
Der Chart des STOXX Europe 600 zeigt im Bereich seiner 200-Tage-Linie, dass vorsichtiges Kaufinteresse in den Markt zurückkommt. Falls kein weiterer Verkaufsdruck aufgrund einer weiteren Eskalation des Irankriegs entsteht, könnte damit die Grundlage für einen Hoffnungslauf der Aktien mit steigenden Kursen gelegt werden. Solch ein Hoffnungslauf würde zwar den Kurzfristtrend und damit auch die 20-Tage-Linie mit hoher Wahrscheinlichkeit brechen (Kurzfristtrends haben keine lange Halbwertzeit), aber ein gebrochener Trend bedeutet noch lange keine Trendwende.
Sollte sich nicht doch noch „alles“ in irgendeine Art von bisher nicht erkennbarem Wohlgefallen auflösen, so wird die Resilienz der Investoren mit Blick auf ihre gewählten Portfolios nach einem Hoffnungslauf erneut getestet werden. Die Strategien mit aktivem Risikomanagement werden den Regler dann weiter in den Risk-off-Modus hochfahren.
G&W folgt z. B. mit dem „Cross Atlantik Modell“ bereits systematisch der veränderten Datenlage. Die Aktienquote wurde im März 2026 um 25 % reduziert.

